Bildermacher
Urban Saxer
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Basler Zeitung, 26. 10. 06, bazkulturmagazin B7, Seite 24, www.baz.ch

Karen N. Gerig

Der Bildermacher

Urban Saxer in der Galerie „Die Aussteller“


Vasen sind in Urban Saxers Bildern allgegenwärtig – sie haben die Figur ersetzt. So schafft sich der Künstler „eine Art Heimat auf der Leinwand“.
„Ich bin ein figürlicher Analphabet“, beschreibt Urban Saxer sich selbst und damit den Grund, weshalb Mensch und Tier in seinem Werk keinen Platz finden. Figuren habe er nur während seiner Ausbildung zum Zeichenlehrer gezeichnet – und seither nie wieder. Stellvertretend nehmen in seinen Bildern Vasen oder neuerdings Wäscheklammern den figürlichen Part ein. Deren ausmodellierte Körperlichkeit spielt mit den monochromen Flächen, die der Künstler dagegenstellt.

Sehen. Die Abwesenheit der Figur macht Saxer jedoch nicht zum abstrakten Maler. Der in Aarau geborene und seit Jahrzehnten in Basel wohnhafte Maler sieht sich selber „irgendwo zwischen den Stühlen“. Den Sinn einer Verbindung verschiedener stilistischer Elemente liegt für ihn in der Spannung zwischen Gegenständlichkeit und Ungegenständlichkeit. Der neutrale Hintergrund schafft Freiheiten für den Betrachter.
Die Räume bleiben offen, Grössenverhältnisse ungeklärt. Am deutlichsten kommt dies in Kleinformaten zum Vorschein, die verraten, dass der Maler einst Inspiration aus dem Surrealismus schöpfte. Vor allem René Magritte hatte es ihm in jungen Jahren angetan. „Ich denke, es war die Realitätsflucht, die mich daran reizte und die ich damit verbinde“, meint Saxer im Rückblick.
Heute malt er sich seine eigene Welt und kümmert sich wenig um Zuordnungen. Der Ausdruck „Bildermacher“, den Saxer dem „Künstler“ vorzieht, verdeutlicht diese Idee des Entwurfes eines eigenen Kosmos. Saxer schafft sich „mit Pinsel und Paste eine Art Heimat auf der Leinwand“.

Hören. Bei den „Ausstellern“ zeigt Saxer ein Video, das nachvollziehen lässt, wielange der Malprozess dauert, bis das fertige Bild aus dem Atelier herausgetragen werden kann. Einzelne kurze Striche, in Gitterstruktur Schicht für Schicht aufgetragen, ergeben irgendwann die Oberfläche, die der Maler sucht. „Am besten ist es, wenn das Bild mir sagt, was ich machen soll. Es gibt einen Punkt, ab dem mich das Bild führt und nicht mehr umgekehrt. Es kann aber sein, dass ich nicht immer richtig hinhöre“, schmunzelt Saxer. Möglicherweise protestiert das Bild dann eine Weile lauter, bis der Maler den Weg doch noch findet. Bis heute zumindest hat der Bildermacher nur ganz wenige Werke unterwegs verloren.

Pinselgang durch das Stadtgebiet

Aarau Im Rathaus sind bis zum 4. April Werke von Urban Saxer zu sehen

Dies ist seine erste Ausstellung im öffentlichen Raum und ein Zurückkommen in seine Geburtsstadt. Der in Basel lebende und arbeitende Urban Saxer suchte eine neue künstlerische Auseinandersetzung  mit Aarau und schuf für die derzeitige Rathausausstellung eine 47-teilige Bilder-Serie.

Nach zahlreichen Ausstellungen in Galerien zeigt Urban Saxer mit seiner Ausstellung im Aarauer Rathaus erstmals im öffentlichen Raum. Und das an keinem geringeren Ort als in seiner Geburtsstadt. Grund genug für ihn, zurückzukehren, zurückzublicken, sich zu erinnern und eine neue, künstlerische Auseinandersetzung mit dem einstigen und dem heutigen Aarau zu suchen. Was bei der Rückblende entstand und gegenwärtig im Foyer des Rathauses hängt, ist so ganz anders als seine bisherigen Werke: die 47 Bilder - für jedes seiner Lebensjahre seit seiner Geburt in Aarau eines - sind die Abstraktion eines Spaziergangs oder ein „Pinselgang durch das Stadtgebiet“, wie Urban Saxer seine Arbeit selbst nennt. Er lebt und arbeitet nun schon viele Jahre in Basel. Für seine eigens für die Rathaus-Austellung geschaffene Serie kam er zurück in seine Geburtsstadt.

Fotos zeigen Distanz

Er streifte durch Aarau und notierte mit dem Fotoapparat, was sich in der Alltäglichkeit der Stadt an ihren Wappenfarben Rot, Weiss und Schwarz zeigt. „Die Fotos sind nicht der Draht zu dem, was war, sondern zeigen die zeitliche Distanz dazu“, sagt Saxer. Die Umsetzung erfolgte auf weisses Büttenpapier. Der Künstler setzte rote Aquarellflächen darauf, die „in irgendeiner Form Bezug zur Vorlage nehmen“. Es folgte ein Arbeitsgang mit schwarzer Tusche, der auf beides, Vorlage und Aquarell reagiert. So entstanden 47 abstrakte Bilder einer Leichtigkeit und Spontaneität, die gerade durch ihre Reduziertheit zum Vergleich mit den Fotografien animieren.

Präzision, Konstanz und Sparsamkeit

Ansonsten setzt sich der Künstler seit bald zwei Jahrzehnten mit einem Kernthema der Kunst auseinander: Dem Sehen. Was geschieht, wenn Gegenstand, Materialität und Konkretes aufeinander treffen? Maltechnische Präzision fällt als Erstes auf. Als Zweites die Konstanz und Sparsamkeit der stets wiederkehrenden Elemente - eine Vase, eine Schale, eine Frucht oder eine geometrische Figur. Mit den klassischen Mitteln der Malerei, nur wenigen, immer wiedkehrenden Elementen und Objekten und einem strengen Einsatz von Farbe, erprobt Saxer Spielweisen und Freiheiten der Imagination. „Bei Urban Saxer gerät die Wahrnehmung ins Schweben“, sagte Sybille Birrer anlässlich der Vernissage. „Im Zusammentreffen zwischen den realen Gegenständen und dem ungreifbaren Kontext formt sich im Auge des Beobachters Neues, die Wahrnehmung öffnet sich in die persönliche Weite der Assoziationen. Urban Saxer arbeitet an der Erfahrung des Wahrnehmbaren. Seine Ölbilder sind meditativ in der Langsamkeit und Strenge - in der Spannung zwischen Präzision und Schwebe.“

Rahel Plüss, Aargauer Zeitung, 6. März 2003

Galerie Regio  

[     ] In der Orangerie sind Bilder eines jungen Baslers zu sehen. Ölmalerei von Urban Saxer, der erst zum zweiten Mal ausstellt. Auch einer, der genau arbeitet, ohne sich damit zu brüsten. Er reduziert; auf einen monochromen Grund und ein zwei Figuren, Schüssel oder Vase zum Beispiel, sehr flach dargestellt, und dazu eine geometrische Fläche. Alles scheint abgezirkelt und cool. Aber es bewegt sich ganz leise im Licht. Winzige Abweichungen von der idealen Form beginnen zu atmen, leicht gegeneinander verschobene Gewichte und natürlich das Spiel der Farben in der Farbe, der zahllosen übermalten Schichten, der Löcher der groben Leinwand oder, wo die Farbe dicht wird und versiegelt, ihre eigene Textur. Lebendigkeit in der gebändigten Form. [     ]

Ludwig Ammann, Badische Zeitung, Mai 1999

KUNST / Urban Saxer in der Galerie Brügger

isa. Urban Saxer ist in kunstkennerischen Kreisen weitgehend ein Unbekannter, der in seiner ersten Galerienausstellung bei Christine Brügger in aller Bescheidenheit auf sein beeindruckendes Schaffen aufmerksam macht.Der in Basel tätige Künstler präsentiert Werke, die mit knappsten formalen und inhaltlichen Elementen auskommt. Auf einfarbigen Bildgründen, die eine räumliche Unbestimmtheit evozieren, sind in präziser Malweise Vasen, Schalen, Flaschen  sowie als vorerst ungegenständlich wahrgenommene Linien oder geometrische Formen ausgeführt.

In dieser Schlichtheit ist die Oberfläche mit dem Auge zwar schnell abgetastet, jedoch nicht gleich rational fassbar. Durch die Anwesenheit lesbarer Gegenstände oder klar geordneter Formen im ungreifbaren Kontext entsteht ein Teil vielschichtigen Spannung, die Saxers Werke in sich tragen.Der Künstler betont die Wichtigkeit, in seiner Bildwelt auch die als ungegenständlich wahrgenommenen Formen den assoziierbaren Dingen gleichwertig zu sehen. Seine Haltung wird deutlich, indem er Lesbares und das vermeintlich nicht Lesbare in dieselbe undifferenzierte Bildwirklichkeit verbannt. Es geht ihm vorwiegend  um das Spannungsverhältnis der Flächen zueinander, als isolierte Form der Greifbarkeit entrückt und dennoch nur im Verbund mit den sie umgebenden als solche fassbar.

Bringt man den Bildern  von Urban Saxer etwas Zeit beim Betrachten entgegen, werden sie zu einem beeindruckenden Raum- und Formwahrnehmungserlebnis, sie können aber ebenso ein rein visuelles Vergnügen an der Bildoberfläche bieten, die durch klare Strukturen und maltechnische Präzision das Auge sofort anzieht.

Isabelle Jungo, Der Bund, 16. 3. 99