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Urban Saxer
Urban Saxer
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Oelmalerei
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Was es zu sehen gibt

In meinen Bildern treten sowohl gegenständliche, wie konkrete Elemente auf und dies nicht immer sauber getrennt, sondern häufig auch gleichzeitig. Die von mir dabei gesuchte Wirkung ist eine Erweiterung dessen, was vordergründig sichtbar ist.
Der einsame Strich auf einer Farbfläche sollte seinen ursprünglichen Charakter als Pinselspur auf dem Stoff verlieren und in den imaginären Raum der Vorstellung der Betrachter und Betrachterinnen eintreten. In der Vorstellung sind die Dimensionen nicht mehr so genau festgelegt, können sich mischen und durcheinander purzeln. Der Strich kann entgegen jeder materiellen Realität in der Farbe zu schweben beginnen. Auch eine Frucht tritt vor einem konkreten Hintergrund aus ihrer überkommenen Bedeutung heraus und wird mit ihrer Form und ihrer Symbolik zum Spielball der Gedanken, wo sie auf individuelle Erfahrungen und Assoziationen trifft, von denen sie nichts weiss, sich im idealen Fall doch nahtlos zwischen sie einfügt.
Wenn ich also an einem Bild male, bin ich für jeden Millimeter auf der Oberfläche selbst verantwortlich und kann auf dieser sozusagen Gott spielen, habe dabei aber nicht die geringste Ahnung, was dort geschieht, wo das Bild letztlich hinsoll; im Kopf der Betrachter. Es entsteht die eigenartige Situation, dass ich zwar die materielle Realität der Leinwand bis zum letzten Punkt kenne (oder wenigstens kennen sollte), deren Wirkung sich mir aber weitgehend entzieht. Gleichzeitig ist dieses Paradox vielleicht der wichtigste Antrieb für meine Malerei, denn irgendwie entspricht die Freiheit der Gestaltung auf der Bildfläche in ihrer Art ein wenig der Freiheit der Imagination.
So gesehen ist das Spannendste, was auf meinen Bildern zu sehen ist, nicht unbedingt das, was drauf, sondern das, was dahinter, davor oder daneben ist.

Oelmalerei

Seit 1982 ist die Oelmalerei Hauptbestandteil meiner Arbeit. Begonnen hat es mit ersten Versuchen, die stark von der surrealen Malerei beeinflusst sind. Daraus hat sich eine Malerei entwickelt, die unter dem Einfluss von Morandi und Giacometti sich dem Ausdruck des Singulären in seiner Umgebung widmet. Ich nenne sie Malerei der stillen Unruhe. Mögen auch die Inhalte der Bilder zum Teil als Gegenstände zu identifizieren sein, sie sind alle fiktiv, sind also kein Abbild realer Gegebenheit, sondern reines Bild, das ausschliesslich seiner eigenen Wirkung verpflichtet ist.

Die Zeit der weiten Flächen

Ein Viereck und etwas Farbe sind nicht viel, um eine Welt daraus zu machen. In dieser Knappheit aber liegt für mich die Faszination Bild. Die Fähigkeit und die Bereitschaft, bemalte Fläche als eigenständiges Raum- oder Objekterleben ins Bewusstsein einzulassen, sind etwas zutiefst Menschliches und gleichzeitig der menschlichen Ratio so fern wie nur möglich. Im Spannungsfeld dieses Widerspruches versuche ich meine Bildwelt anzulegen.
Die greifbare Anwesenheit von Gegenständen wird durch die Ungreifbarkeit der sie umgebenden Flächen in eine Schwebe gebracht, die keine Sichtweise festlegt, sondern Zeit für deren Gewinnung freisetzten will. Dort, wo lesbare Gegenstände fehlen, sind es Linien oder geometrische Elemente, die in der Beziehung zueinander und zum Umfeld einen Anreiz bieten, über das Gesehene hinaus eine Stimmung, eine Assoziation herzustellen und diese im besten Fall sogar mit sich vom Bilde wegzutragen.
Wenn es mir gelingt, die Farbflächen soweit zu bringen, dass sie die Ausstrahlung von Räumen und zeitlicher Wirkung zuzulassen beginnen, kommt der Punkt, den Pinsel wegzulegen und das Entstandene der Betrachtung, resp. den Betrachtern zu überlassen.

Die Vase oder die Subversion des Einfachen

Für ein Bild einen so einfachen Gegenstand wie eine Vase zu verwenden, bietet viele Vorteile. In ihrer schlichten, archaischen Form lässt sie fast jede Modulation zu, sei es farblich oder formal. Dazu kommt die Möglichkeit, den Effekt universeller Wiedererkennung zu nutzen und damit hinter das Ding als solches zu schauen.
Wenn ich eine Vase so gross ins Bild setze, dass sie das Format zu sprengen droht, so geht die Wahrnehmung automatisch über den Gegenstand „Vase“ hinaus und beginnt nach neuen Anhaltspunkten zu suchen. Dasselbe kann in der Konfrontation des „Gegenstandes“ mit geometrischen Formen geschehen. Da die Elemente in meinen Bildern weder stark verzerrt, noch expressiv überzeichnet sind, erscheinen sie zunächst als durchaus „normal“. Dann aber beginnt der Widerspruch zwischen der alltäglichen Sehgewohnheit und dem, was auf dem Bild ist, zu wirken.
Die eben noch als simple Vase identifizierte Form steht z.B. vor zwei Flächen, die ihre Präsenz nur aus ihrer Farbe beziehen, während die Vase doch eine gewisse Räumlichkeit beansprucht. Welcher Gewohnheit soll das Auge nun folgen? Soll es in der Vase eine farbig abstrakte Wirkung suchen oder aus den Flächen eine räumliche Analogie zur Vase konstruieren? Es öffnet sich ein Spalt zwischen Gesehenem und Wahrgenommenem. Der Umstand, dass sowohl Vase, wie auch die Flächen sehr sachlich daherkommen, also fast eine malerische Einheit bilden, zieht diesen Spalt, ist er erst einmal auf getreten, noch weiter auseinander.
Die so entstehende Lücke zwischen dem, was sich materiell auf dem Bild befindet und dem, was die Sehgewohnheit damit anstellt, ist für mich das Wesentliche an meiner Arbeit; sie ist das, was ein Bild erst zu einem Bild macht, ein Freiraum, der ausschliesslich jenen gehört, die ihn zu nutzen verstehen, den Betrachtern nämlich.

Urban Saxer